Katharina Maehrlein

Ein Spiel zur Weiterentwicklung der Zusammenarbeit

Das Forschungsprojekt »Aristoteles« von Google  wurde nicht ohne Grund nach dem griechischen Philosophen benannt: Der Projektname bezieht sich auf sein Zitat »Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile«. Ziel war es, herauszufinden, was genau ein Team effektiv macht, also was aus einem Team mehr macht als nur die Summe seiner Mitglieder.

Für die Studie wurden zwei Jahre lang mehr als 180 Teams untersucht, um zu erforschen, was besonders erfolgreiche Teams von durchschnittlichen und wenig effektiven Teams unterscheidet. Untersucht wurde ausschließlich im Unternehmen selbst, die äußeren Bedingungen waren also vergleichbar. Trotzdem unterschieden sich die Teamleistungen stark voneinander. Während einige Teams regelmäßig die Erwartungen übertrafen, blieben andere dahinter zurück. Warum? 

Das Ergebnis: Als erfolgreichste Teams bei Google stellten sich jene heraus, in denen sich die Mitglieder sicher fühlten, ihre Meinung offen zu äußern, Fragen zu stellen, ein Risiko einzugehen und sich verwundbar zu zeigen – also jene, die sich psychologisch sicher fühlen und davon überzeugt sind, dass es sicher ist, zwischenmenschliche Risiken einzugehen. 

Überraschenderweise ist also nicht ausschlaggebend für den Erfolg, wer in einem Team ist, sondern wie die Teammitglieder zusammenarbeiten.

Nicht die Teamzusammensetzung – also der Grad an Diversität, die Mischung verschiedener Persönlichkeitstypen, das Leistungsniveau innerhalb des Teams oder die Intelligenz der Mitglieder – war entscheidend, sondern die Art und Weise, wie sie miteinander umgingen. Es war die psychologische Sicherheit, die sich als der wichtigste Faktor für ein produktives Team herausstellte. 

Kein Wunder, dass seit der Veröffentlichung des Reports zur Google-Studie das Interesse an dem Thema »psychologische Sicherheit« – gemessen an der Häufigkeit der Eingabe als Suchbegriff in Internetsuchmaschinen – sprunghaft angestiegen ist und bis heute auf hohem Niveau weiter besteht. 

Psychologische Sicherheit gilt außerdem als ein entscheidender Erfolgsfaktor für agiles Arbeiten – es ist ein grundlegender Teil des Bodens, auf dem agile Teamarbeit (und übrigens auch das agile Mindset...) gedeiht.

Solange psychologische Sicherheit noch nicht aufgebaut wurde, ist es eher schwierig, offen miteinander zu kommunizieren, Feedback zu geben oder Fehler und Missgeschicke zuzugeben.

Was kannst du tun, um die psychologische Sicherheit und damit das gute Zusammenspiel im Team zu fördern?

Mit der nachfolgenden spielerischen Übung kannst du schnell herausfinden, wie es um das Gefühl der Sicherheit im Team steht und ob es Probleme gibt, über die niemand spricht, und gleichzeitig den Aufbau von Vertrauen unterstützen.

Probiere es doch gleich einmal in der nächsten Retrospektive aus, die Übung braucht weniger als fünf Minuten! Danach weißt du, ob du dich mit dem Thema tiefergehend beschäftigen solltest oder ob alles in Ordnung ist.

Du findest in meinem Blog auch einen ausführlichen Artikel zur psychologischen Sicherheit mit weiteren Tipps, wie du das Vertrauen und das Gefühl von Sicherheit im Team weiter entwickeln kannst.

Und so funktioniert es:

1. Teile die Karten aus:

Jedes Teammitglied bekommt jeweils eine »Elefanten«-Karte«, eine »Stiefel tritt auf Blume«-Karte, eine »Glückliche Sonne«- Karte und eine »Neutraler Mond«-Karte. Die Spielkarten kannst du dir gleich hier drunter kostenfrei herunterladen:


Lade dir die Spielkarten hier kostenfrei herunter und drucke sie so oft aus, wie du magst:


2. Erkläre die Bedeutung der Karten:

  • Die »Elefanten«-Karte repräsentiert ein unausgesprochenes, aber relevantes Problem im Team – einen »Elefanten im Raum«. Diese Karte auszuwählen bedeutet nicht, über den »Elefanten« sprechen zu müssen oder sagen zu müssen, was nach Meinung des Kartenauswählers das Problem ist! 
  • Die »Stiefel tritt auf Blume«-Karte repräsentiert verletzte Gefühle, die bisher nicht direkt angesprochen wurden. 
  • Die »Glückliche Sonne«-Karte bedeutet: »Für mich ist alles in Ordnung.« 
  • Die »Neutraler Mond«-Karte bedeutet: »Ich fühle mich unwohl und will mich nicht mitteilen« oder »Für mich passt keine der Karten so richtig«. 

3. Erkläre, wie die Karten ausgewählt werden:

  • Wer mindestens einen »Elefanten« im Raum sieht, wählt die »Elefanten«-Karte. 
  • Wer keine »Elefanten« sieht, aber seit der letzten Retrospektive in einer Situation war, in der ihre oder seine Gefühle verletzt wurden, und es nicht direkt angesprochen hat, wählt die »Stiefel tritt auf Blume«-Karte. 
  • Wer sich wohlfühlt, wählt die »glückliche Sonne«.
  • Wer sich beim Teilen unwohl fühlt oder das Gefühl hat, keine der Karten passt wirklich, wählt den »neutralen Mond«. 

4. Wahre die Anonymität

Um die Anonymität zu wahren, legt jeder seine ausgewählte Karte verdeckt auf einen Feedbackstapel und den Rest der Karten ebenfalls mit der Vorderseite nach unten auf einen Ablagestapel.

5. Mische den Ablagestapel und lege ihn beiseite. 

6. Mische den Feedbackstapel und decke dann die Karten einzeln auf. 

7. Breite die Karten nebeneinander aus, sodass alle Teammitglieder das Ergebnis sehen können. 


Auswertung

Wenn eine oder mehrere »Elefanten«-Karten aufgedeckt wurden ... 

... ist dies ein eindeutiger Hinweis auf ernsthafte Probleme mit der psychologischen Sicherheit. Bewahre die Anonymität, und frage nicht danach, wer warum welche Karte gewählt hat, sondern lasse das Ergebnis zunächst einmal unkommentiert so stehen. Damit unterstützt du den Aufbau von Vertrauen und hast auch künftig die Möglichkeit, Einblicke in den Zustand des Teams zu gewinnen. Biete aber die Möglichkeit an, bald mit mehr Zeit über das Thema zu sprechen, wenn das gewünscht wird. 

Zwei oder mehr »Stiefel tritt auf Blume«-Karten zeigen ...

... dass es Probleme mit dem Gefühl der Sicherheit gibt. 

Auch zwei oder mehr Monde ...

... deuten auf einen Mangel an psychologischer Sicherheit hin. 

Berücksichtige dieses Feedback bei der Gestaltung der weiteren Zusammenarbeit und nehme es als Anlass, gegebenenfalls gründlicher miteinander ins Gespräch zu kommen, beispielsweise mithilfe des später folgenden Werte-Reflektors. 

Du schaust lieber Videos? Dann sieh´dir die Spielanleitung auf meinem YouTube Kanal an!

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Die Autorin


Katharina Maehrlein, Beraterin, Certified Scrum Master und Agile Culture Coach, ist Expertin für die Themen Resilienz, Achtsamkeit und Agilität, zu denen sie mehrere erfolgreiche Bücher geschrieben hat. Seit 1996 hat sie als Coach und Beraterin über 30.000 Führungskräfte aus Unternehmen vom Mittelstand bis zum Großkonzern dabei unterstützt, den täglichen Druck zu meistern und dabei ihre Mitarbeiter so zu führen, dass sie motiviert und leistungsfähig bleiben. Mit charmantem Pragmatismus sorgt sie dafür, dass Führungskräfte und Mitarbeiter ihre Leistungskraft mit Leib und Seele einsetzen und auch unter Druck top performen.