Wie Du Jobwechsel zuversichtlich meisterst und Ängste in persönliche Stärke verwandelst

„Ich war unzufrieden im letzten Job und habe einen Aufhebungsvertrag unterschrieben. Seitdem trudle ich ein bisschen orientierungslos über den Arbeitsmarkt. Ich habe aktuell zwar eine Anstellung, bin aber nicht so ganz zufrieden damit. Ich suche einen Austausch zur Orientierung und würde gerne ein bisschen besser verstehen, was ich eigentlich will, was meine Stärken sind und wie ich den Suchfilter richtig setze in den Jobbörsen.“

Solche Anfragen von Führungskräften, die sich für ein Coaching bei mir interessieren häufen sich in letzter Zeit. Kein Wunder. Denn:

  • Arbeitsplätze und Organisationen verändern sich, die klassisch-lineare Karriere „von der Wiege bis zur Bahre“ gibt es kaum noch.
  • Übergänge und Neuanfänge sind das neue Normal, zwingen Führungskräfte dazu, sich immer wieder neu zu erfinden - und sich einen passenden neuen Job zu suchen.
  • Ein Jobwechsel ist für Führungskräfte besonders herausfordernd, da sie oft ihre berufliche Identität, Autorität und Netzwerke verlieren und in neuen Rollen ohne die gewohnte Unterstützung starten müssen.

In diesem Beitrag findest du einige Ideen, wie du Jobwechsel erfolgreich meistern kannst - und das Beste aus den häufigen Neuanfängen deines Arbeitslebens machst. 

Dabei stütze ich mich auf meine Erfahrung aus mehr als zwei Jahrzehnten Führungskräfte Coaching seit 1996.

Herausforderungen beim Jobwechsel

Menschen empfinden jede Art von Veränderung zunächst einmal als Krise – das liegt in ihrer Natur und ist von daher (psycho-) logisch.

Die moderne Arbeitswelt wandelt sich in rasendem Tempo. Und das bedeutet für Menschen, dass ihr Leben nicht mehr wie früher in den drei Phasen – Lernen, an EINER Karriere arbeiten, Ruhestand – verläuft.

Stattdessen wechseln die meisten während ihres Arbeitslebens mehrfach den Job und müssen sich an permanente Veränderungen anpassen.

Jeder Jobwechsel ist ein echter Umbruch: Das Gewohnte funktioniert nicht mehr richtig, das neue noch nicht. Nichts ist mehr Routine. Das ist anstrengend!

Die nachfolgenden Punkte machen ihnen außerdem zu schaffen:

Wachstumsschmerzen

Etwas Altes muss losgelassen werden, damit Platz für etwas Neues geschaffen wird. 
Dieses Verabschieden fällt uns Menschen schwer und verursacht das, was ich »Wachstumsschmerzen« nenne.

Wachstumsschmerzen sind unvermeidlich, denn alte Regeln gelten nicht mehr:

  • Die Art zu arbeiten und zu denken verändert sich grundlegend und in hoher Geschwindigkeit.
  • Das ist einerseits eine Bereicherung, andererseits aber auch eine Erhöhung des Drucks, erzeugt durch den Zwang, die eigenen Fähigkeiten immer mehr zu erweitern, kontinuierlich zu lernen und sich permanent flexibel anzupassen.

Fehlende Leitplanken

Wer früher aufsteigen wollte, musste klar definierte Sprossen auf der Karriereleiter nehmen. Und es war auch ziemlich klar, wie lange es jeweils dauern würde, bis die nächste Stufe erklommen war. Manchmal genügte es sogar, einfach nur lange genug im Unternehmen oder der Institution zu sein, um befördert zu werden.

Heutzutage kann dir niemand sagen, wie lange es dauern wird und woran genau du erkennen könntest, dass bald die nächste Stufe erreicht sein wird.

Leitplanken, die früher den Karriereweg vorzeichneten gibt es immer weniger.

Das bietet einerseits viele neue Möglichkeiten (beispielsweise für Quereinstiege), anderseits wird es deshalb aber auch schwieriger herauszufinden, was man eigentlich will – und wie die Schritte aussehen müssten, um das Ziel zu erreichen.

Um damit klar zu kommen, braucht es eine neue Art der Navigation durch die beruflichen Übergänge und die Fähigkeit, in unsicheren und weniger strukturierten Umgebungen erfolgreich zu sein.

 Verlust der beruflichen Identität

Soziologisch gesehen sind wir Menschen Herdentiere und bekommen wie diese ein Problem, wenn wir wichtige Gruppenzugehörigkeiten verlieren.

In der Phase zwischen zwei Jobs (und in der ersten Zeit in einem neuen Job) fehlt diese Zugehörigkeit, die einen wesentlichen Anteil an unserer Arbeitsidentität - und an unserem Selbstwertgefühl hat. 

Ohne den Schutz unserer "Herde" fühlen wir uns richtig mies: unsicher, voller Angst und ohne Bedeutung.

Noch schlimmer wird diese emotionale Talfahrt, wenn wir durch eine Kündigung quasi aus der Herde ausgestoßen wurden oder wenn  wir im Bewerbungsprozess zwar zu Gesprächen eingeladen werden, dann aber den Wunschjob doch nicht bekommen - und uns verunsichert fragen, was an uns falsch ist und warum wir nicht überzeugen konnten.

Liminalität: Jobwechsel mit Schwebezustand

Der Begriff „Liminalität“ stammt aus der Anthropologie und beschreibt einen Schwellenzustand, in dem sich Individuen oder Gruppen zwischen zwei Zuständen, Positionen oder Phasen befinden.

Dieser Zustand ist weder vollständig Teil des vorherigen Zustands noch vollständig Teil des neuen Zustands – es ist ein Zustand des Übergangs und der Transformation.

Im beruflichen Kontext beschreibt Liminalität den Übergang zwischen zwei Jobs oder Karrierestufen. Diese Phase kann mehrere Herausforderungen mit sich bringen:

  • Man hat die alte Rolle verlassen, ohne bereits in der neuen Rolle angekommen zu sein.
  • Die Zukunft ist ungewiss, und es besteht Unklarheit über den nächsten Schritt.
  • Ohne die gewohnten Strukturen und Routinen kann man sich verloren fühlen.

Diese Phase kann beängstigend, verunsichernd und emotional sehr belastend- aber auch eine Zeit intensiven Lernens und persönlicher Entwicklung sein.

Gerade die Herausforderungen bieten große Chancen für dein persönliches und berufliches Wachstum - wenn du sie bewusst und strategisch angehst und als Teil des modernen Arbeitslebens akzeptierst.

(Akzeptanz ist nicht ohne Grund der erste Resilienzfaktor - und eine grundlegende innere Fähigkeit für einen erfolgreichen Jobwechsel.)

Von Unsicherheit zu innerer Stärke: Warum Resilienz bei Jobwechseln entscheidend ist

Fast jede Veränderung wird von uns Menschen naturgemäß als unangenehm bis krisenhaft bewertet, denn wir sind Gewohnheitstiere. Kein Wunder also, dass sich viele Menschen, in diesen Phasen des Übergangs und Neubeginns erst einmal verloren und unsicher fühlen – und Angst haben, dass dies für immer so bleibt.

Ein Jobwechsel wird deshalb zunächst als „Einbruch“ empfunden: Es zieht uns in die Tiefe, dahin, wo Angst, Traurigkeit, Hilflosigkeit oder Wut ist.

Denn wir müssen uns von alten Vorstellungen verabschieden, uns neu orientieren und das „Noch-Fremdsein“ dazwischen -, das „nicht mehr das Alte und noch nicht das Neue“, aushalten. 

Dies zwingt uns auf unbekanntes Terrain, das verunsichert, löst das Gefühl von Bedrohung aus und wird oft als echte Krise empfunden.

Dieser innere Kampf im Widerstand gegen das neue tötet jede Motivation und birgt ein hohes Risiko, sich darin aufzureiben, zu resignieren und sich zu erschöpfen. 

Veränderungen aktiv und engagiert mitgestalten können wir so nicht. Das können wir nur dann, wenn wir die Dinge akzeptieren, wie sie sind und das Beste daraus machen. (Wie du lernst, zu akzeptieren, was nicht zu ändern ist, habe ich dir hier aufgeschrieben.)

Was also tun? Uns bleibt nur eine - dafür aber sehr wirkungsvolle Möglichkeit: 
Wir müssen uns rüsten und anpassen, wir müssen resilienter werden. (10 einfache Übungen, wie du resilienter wirst, findest du hier.)

Denn resiliente Menschen fliegen auch bei schnell aufeinander folgenden Richtungswechseln nicht aus der Kurve - und kommen mit Veränderungen deutlich besser zurecht als andere.

Und jedes Mal, wenn das wieder einmal geschafft ist, haben wir an Kraft gewonnen, um die nächste leichter bewältigen zu können.

Denn gerade krisenhaft erlebte Veränderungen, die im menschlichen Leben eher der Normalfall als die Ausnahme ist, trainiert unseren „Steh-auf-Muskel“, der ohne Krise verkümmern würde. 

Resilienz ist DIE Fähigkeit, um in unsicheren und weniger strukturierten Umgebungen erfolgreich zu sein.

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Warum ein Jobwechsel für Führungskräfte besonders schwierig sein kann

Hier sind einige Gründe:

Verlust von Rolle und Status

Eine der größten Herausforderungen für Führungskräfte bei einem Jobwechsel ist, dass sie im neuen Job oft erst einmal keine Führungskraft mehr sind:

  • Je erfahrener eine Führungskraft ist, desto spezifischer ist meist ihr Wissen und Können. Das kann die Auswahl an geeigneten Stellen stark dezimieren.
  • Führungspositionen werden oft nicht öffentlich ausgeschrieben, was das Finden einer neuen Stelle erschwert.
  • Wissen veraltet geradezu in Lichtgeschwindigkeit, KI und moderne Technologien verändern Arbeitsplätze bis zur Unkenntlichkeit.
  • Die derzeitige wirtschaftlich angespannte Lage führt in vielen Fällen dazu, dass sich Führungskräfte anhören müssen, sie wären "zu teuer" und "überqualifiziert". 

Führungskräfte definieren sich oft stark über ihre Rolle und den damit verbundenen Status. 

Ein Jobwechsel bedeutet nicht nur einen neuen Arbeitsplatz, sondern oft auch den Verlust von Einflussnahme und Macht. In einem neuen Unternehmen müssen Führungskräfte ihre Position und ihren Einfluss erst wieder aufbauen. Dies kann zu einem Gefühl der Unsicherheit und des Verlustes führen.

Verlust von Autorität und Entscheidungsbefugnis

Führungskräfte sind es gewohnt, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu tragen. In einer neuen Rolle ohne diese Befugnisse können sie sich machtlos und frustriert fühlen.

Verlorenes Netzwerk

Führungskräfte haben in ihrem alten Job oft ein etabliertes Netzwerk, das ihnen Unterstützung und Ressourcen bietet. In einer neuen Position müssen sie dieses Netzwerk erst wieder aufbauen, was Zeit und Mühe kostet.

Neuanfang auf unterer Ebene 

Es kann demotivierend sein, wieder auf einer niedrigeren Hierarchieebene zu beginnen und sich erneut beweisen zu müssen. Dies erfordert Geduld und Demut, insbesondere wenn man zuvor an der Spitze stand.

Vom Experten zum Anfänger

Ein weiterer wesentlicher Aspekt, der den Jobwechsel für Führungskräfte herausfordernd macht, ist die Notwendigkeit, sich auf  sachlich-fachlicher Ebene neu einzuarbeiten. 

Oftmals im vorherigen Job Experten auf ihrem Gebiet, mit jahrelanger Erfahrung und tiefgehenden Fachkenntnissen bringt der Wechsel in eine neue Position oder ein neues Unternehmen häufig neue Aufgaben und Verantwortlichkeiten mit sich, die eine andere Fachkompetenz erfordern.

Dieser Umstand kann dazu führen, dass sich Führungskräfte wie Anfänger fühlen, obwohl sie zuvor als "alte Hasen" galten.

Das Eintauchen in unbekannte Themenbereiche stellt mehrere Herausforderungen dar:

  • Einarbeitung in neue Fachgebiete: Führungskräfte müssen sich schnell und effizient in neue Themen einarbeiten, um ihre Aufgaben kompetent erfüllen zu können. Dies erfordert intensive Lernphasen und den Mut, Fragen zu stellen und Wissen aktiv zu suchen.
  • Der Wechsel von einer Position, in der man als Experte anerkannt war, zu einer Rolle, in der man sich erst wieder beweisen muss, kann das Selbstbewusstsein beeinträchtigen und das Gefühl von Unsicherheit verstärken.

Oft wird außerdem an der neuen Stelle erwartet, dass der oder die Neue sofort leistungsfähig ist. Noch häufiger kommt es zu überhöhten Erwartungen der Ex-Führungskraft an sich selbst:

Schon das Gefühl, es gäbe diese Erwartungen genügt, um im neuen Job unter Stress zu geraten und die Befürchtung, tatsächlichen oder "eingebildeten" Erwartungen nicht gerecht zu werden, erzeugt zusätzlichen Druck.

Dieser Übergang vom Experten zum Lernenden kann aber auch positive Aspekte haben:

Es bietet die Möglichkeit, neue Fähigkeiten zu erwerben, das eigene Wissen zu erweitern und sich weiterzuentwickeln. Führungskräfte können üben, ihre Komfortzone zu verlassen und eine neue Perspektive auf Problemlösungen und Innovationsprozesse zu gewinnen.

5 Ideen, wie Du den Jobwechsel bestmöglich für Dich nutzt

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Überprüfen und Anpassen

Viele Menschen glauben, sie müssten zuerst herausfinden, was sie WIRKLICH wollen, wenn es um lebensverändernde Entscheidungen geht.


Sie haben die Vorstellung, dass alles ganz easy wird, wenn ihnen das nach ausführlicher Selbstreflexion schließlich endlich gelungen ist.


Diese Vorstellung ist falsch. Denn:

  • Während du darüber nachdenkst, was du wirklich wirklich willst, verlierst du nur eine Menge Zeit.
  • Du weißt vermutlich schon, was du nicht mehr tun willst, aber was du stattdessen machen möchtest, das musst du erst mal´ ausprobieren, das fällt dir nicht beim Nachdenken ein!
  • Dass du es doch nicht so toll findest, wie du gedacht hast, ist eher die Regel, als die Ausnahme. Das kannst du nicht vorhersehen.

Warte nicht auf mehr Klarheit!

Berufliche Zufriedenheit ist ein KOMPLEXER Prozess. 


Versuche nicht, zu planen, was unplanbar, weil unvorhersagbar ist! 


Wähle stattdessen den einen Schritt aus, der JETZT sinnvoll erscheint. Überprüfe dann, wie zufrieden du mit dem Ergebnis bist, was sich an der Vorgehensweise bewährt hat und beibehalten werden soll und was du beim nächsten Schritt anders und besser machen willst. Gehe iterativ vor.


Wenn bei dir ein Jobwechsel ansteht (vielleicht weil du dazu gezwungen bist oder weil du unzufrieden bist) versuche bitte nicht, erst einmal einen Plan zu entwerfen, bevor es endlich losgehen kann.


  • Folge deinem Bauchgefühl,
  • probiere etwas aus,
  • lerne daraus
  • und probiere noch etwas anderes aus.

Komplex versus kompliziert

Meint »komplex« das Gleiche wie »kompliziert«? Nein, es ist nicht das Gleiche.
In dem sehr empfehlenswerten Buch »Reinventing Organizations« von Frederic Laloux wird der Unterschied an Beispielen sehr anschaulich erklärt:

Flugzeuge sind Kompliziert

Ein Flugzeug mit seinen Tausenden Einzelteilen ist »nur« kompliziert. Denn alle seine Teile sind in einer linearen Logik so miteinander verbunden, dass ein spezialisierter Ingenieur vorhersagen kann, wann und wie das Flugzeug davon beeinflusst werden wird, wenn eines der Teile herausgenommen wird.

Menschen sind Komplex

Wir Menschen sind dagegen komplexe Systeme: Wenn zehn Menschen die gleiche Diagnose gestellt und entsprechend das gleiche Medikament gegen ihre Krankheitssymptome verschrieben bekommen, kann nicht einmal der
behandelnde Arzt vorhersagen, was das Medikament bewirken wird:

Einer der Kranken kann geheilt, ein anderer noch kränker werden, ein weiterer hat starke Nebenwirkungen, wieder andere schwache oder gar keine - und es ist auch möglich, dass das Medikament gar nichts bewirkt. 

Und wenn Menschen komplex sind, wie steht es dann um ihre berufliche Zufriedenheit? Genau ...Die ist ebenfalls komplex...

In Komplexen Systemen gibt es keine Kausalen Zusammenhänge

In komplizierten Systemen gibt es also klare Ursache-Wirkungs-Beziehungen, in komplexen Systemen ist es dagegen nicht möglich, Wirkungen und ihre Ursachen zu erkennen.

Und trotzdem werden Veränderungsvorhaben immer wieder so gehandhabt, als wären Menschen wie ein Flugzeug: kompliziert.
Folgerichtig wird dann davon ausgegangen, man müsse wie der Flugzeugingenieur nur möglichst genau analysieren, dann könne man darauf aufbauend die Veränderung für die nächsten Jahre planen und bräuchte einfach nur genügend Disziplin, um den Plan erfolgreich umzusetzen.

Das ist ein Denkfehler!
Da es in komplexen Systemen keine Kausalität gibt, die Zukunft unvorhersagbar und eine Gesamtanalyse und darauf basierende Planung deshalb nicht möglich sind, scheitern viele Jobwechsel - und enden in erneuter Unzufriedenheit.

Besser starten als warten

Ein weiteres Beispiel von Laloux: Stell dir einen Teller Spaghetti vor. Dieser ist hochkomplex! Wenn du an einer Nudel ziehst, kann kein Experte und nicht einmal der leistungsfähigste Computer wissen, was dann passiert.

Wenn du den Pastaknoten auf deinem Teller entwirren wolltest, würdest du ihn dir wahrscheinlich erst einmal genau anschauen und dann vorsichtig an der Spaghetti ziehen, die am vielversprechendsten erscheint. Welche tatsächlich die richtige ist, kannst du nicht wissen, niemand kann das vorhersagen!

Es bleibt dir nur, ein Experiment zu starten, bei dem du genau beobachtest, was passiert: Wenn die Nudel nachgibt, ziehst du weiter, wenn nicht, dann schaust du dir den Nudelberg von allen Seiten an und wählst eine andere Spaghetti, mit der du genauso verfährst. Schritt für Schritt!

Diese empirische Prozesssteuerung ist eine bewährte agile Reaktion auf Komplexität, denn auch in Organisationen kann niemand wissen, was genau geschehen wird, wenn du mit einer Veränderung beginnst.

Starte deshalb mit einer Veränderung, sammle dabei Daten und Erfahrungen, um die Arbeit und das Ergebnis in der Folge schrittweise zu verbessern.

Dann wird sich die Verwirrung nach und nach lösen.

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Liminalität aushalten

Liminalität kann unangenehm sein, gerade dann, wenn man daran gewöhnt ist, schnurstracks auf das nächste Ziel zuzusteuern.

Aber diese Phase ist notwendig.


Liminalität gibt dir die Gelegenheit, bisherige Gewissheiten zu hinterfragen und alte Vorstellungen auf den Prüfstand zu stellen.


Nutze diese Phase als Auszeit,

  • in der du endlich einmal wieder "Freidrehen" kannst.
  • in der du in Ruhe das Alte abschließt
  • und dich auf das konzentrierst, was du werden könntest.

Du brauchst diese Zeit, um limitierende Glaubenssätze zu identifizieren und um Verbindungen und Fähigkeiten in einem neuen Umfeld aufzubauen.


Anstatt dich also schnellstmöglich mit der Suche nach dem nächsten Arbeitsplatz zu machen, halte inne und genieße deine liminale Phase so gut du nur kannst.


Glaub mir: Es fühlt sich nur so an, als würdest du dabei verloren gehen. Das geht wieder vorbei.

3

Experimentieren statt Festlegen

Die Suche nach einer neuen Rolle dauert oft länger als erwartet. Das ist kein Grund, um in Panik zu verfallen!


Im Gegenteil: Nutze diese Zeit optimal, indem du verschiedene Optionen ausprobierst, anstatt dich sofort festzulegen.

Denn die heutige Welt belohnt Optionalität und die Erkundung des eigenen Selbst.


Und verlasse dich nicht auf altbekannte Ansätze und Tools, die dir die Entscheidung über deinen weiteren Weg erleichtern sollen - aber letztlich nur zu mehr von dem führen, was du schon hattest und nicht mehr länger willst.


Ich erlebe bei meinen Kundinnen und Kunden - vor allem Ingenieur*innen, Techniker*innen, Naturwissenschaftler*innen, IT-ler*innen - beispielsweise immer wieder, dass sie vor allem auf der Suche nach einfachen Tools sind, die ihnen die Entscheidung für die nächsten Schritte erleichtern sollen.

(Besonders beliebt ist beispielsweise so etwas wie diese Entscheidungsmatrix hier...)


Um aber die Phase der Liminalität optimal zu nutzen, solltest du offen für neue Möglichkeiten sein. 

  • Dann bist du gezwungen, kreativ zu werden - und schulst dabei genau diejenigen Fähigkeiten, die du heutzutage brauchst,
  • entdeckst du neue Leidenschaften,
  • lernst du dich selbst besser kennen - und findest Stärken, von denen du sonst nie erfahren hättest.

So wie bei meiner Kundin, nennen wir sie Anne, die als Leiterin Finanzen und Controlling in einem Klinikkonzern nicht mehr zufrieden war und etwas Neues ausprobieren wollte.


Sie machte eine Weiterbildung zur Change-Beraterin, bewarb sich probeweise bei unterschiedlichsten Stellen, besuchte zahlreiche Netzwerkveranstaltungen (bei denen sie viele, viele Gespräche führte), gönnte sich ein Coaching, um zu brainstormen und die eigenen Stärken zu reflektieren -  und entschloss sich schließlich, eine Selbstständigkeit zu starten, bei der sie ihre neu entdeckten Leidenschaften IT und Persönlichkeitsentwicklung unter einen Hut brachte.

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Sowohl-als-auch statt Entweder-oder Denken

Menschen neigen oft dazu, entweder ihre alten Fähigkeiten zu nutzen oder sich ganz neuen Aufgaben zuzuwenden. Doch bei beruflichen Veränderungen ist es meist sinnvoll, beides gleichzeitig zu tun. Hier sind einige konkrete, sofort umsetzbare Tipps, wie du diese Denkweise umsetzen kannst:


  • Alte Fähigkeiten weiter nutzen: Bleibe in deinem aktuellen Job und setze deine vorhandenen Fähigkeiten und Erfahrungen weiterhin ein.
  • Zwischenlösungen finden: Wenn du bereits deinen alten Job verlassen hast, nutze temporäre oder freiberufliche Tätigkeiten, um deine alten Fähigkeiten anzuwenden und gleichzeitig neue Bereiche zu erkunden.
  • Neue Möglichkeiten erkunden: Nutze deine Freizeit, um Alternativen zu erforschen. Dies kann durch Weiterbildung, Nebenprojekte oder die Teilnahme an Branchen-Events geschehen.
  • Nebenprojekte starten: Beginne ein Nebenprojekt oder Hobby, das dich interessiert und möglicherweise neue berufliche Wege eröffnet. Dies kann dir helfen, neue Fähigkeiten zu entwickeln und gleichzeitig dein aktuelles Wissen anzuwenden.
  • Schrittweise vorgehen: Nimm dir Zeit, um neue Wege zu erkunden, bevor du einen vollständigen Wechsel wagst. Dies minimiert das Risiko und gibt dir die Möglichkeit, zu lernen und dich anzupassen.
  • Flexibilität bewahren: Sei bereit, Pläne anzupassen und auf neue Informationen oder Gelegenheiten zu reagieren. Flexibilität ist entscheidend, um erfolgreich zwischen alten und neuen beruflichen Möglichkeiten zu navigieren.

Wenn du den einen oder anderen dieser Tipps befolgst, kannst du deine alten Fähigkeiten nutzen und gleichzeitig neue Möglichkeiten erkunden. Diese Strategie hilft dir, den Übergang sicher und erfolgreich zu gestalten, ohne alles auf eine Karte zu setzen.

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Netzwerk ausbauen

Der berufliche Erfolg hängt oft von unseren Beziehungen ab. Bei beruflichen Veränderungen ist es wichtig, dein Netzwerk gezielt zu erweitern und bestehende Beziehungen zu vertiefen.


Hier sind einige konkrete, sofort umsetzbare Tipps:

  • Neue Kontakte knüpfen: Besuche Branchenveranstaltungen, Konferenzen und Networking-Events, um neue Menschen kennenzulernen. Nutze soziale Medien wie LinkedIn aktiv, um Verbindungen zu Personen in deinem Berufsfeld aufzubauen.
  • Schwache Bindungen nutzen: Reaktiviere alte Kontakte durch kurze Nachrichten oder Einladungen zu einem Kaffee. Halte lose Verbindungen durch regelmäßige, aber nicht aufdringliche Kommunikation aufrecht.
  • Enge Verbindungen stärken: Plane regelmäßige Treffen oder Gespräche mit engen Freunden, Mentoren und Kollegen. Baue Beziehungen zu Gleichgesinnten auf, die sich in ähnlichen Übergangsphasen befinden.
  • Emotionale Unterstützung suchen: Teile deine beruflichen Ziele und Ängste mit vertrauenswürdigen Personen. Akzeptiere und biete emotionale Unterstützung, um gegenseitige Stärke zu fördern.
  • Gezielte Netzwerkpflege: Setze dir monatliche Ziele für Networking-Aktivitäten. Halte deine Kontakte durch regelmäßige Updates über deine berufliche Entwicklung informiert.

Indem du diese Tipps befolgst, erweiterst und vertiefst du dein Netzwerk effektiv. Dies hilft dir, wertvolle Unterstützung zu erhalten, neue Möglichkeiten zu erkennen und berufliche Übergangsphasen besser zu bewältigen.

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Die Autorin


Katharina Maehrlein, Beraterin, Certified Scrum Master und Agile Culture Coach, ist Expertin für die Themen Resilienz, Achtsamkeit und Agilität, zu denen sie mehrere erfolgreiche Bücher geschrieben hat. Seit 1996 hat sie als Coach und Beraterin über 30.000 Führungskräfte aus Unternehmen vom Mittelstand bis zum Großkonzern dabei unterstützt, den täglichen Druck zu meistern und dabei ihre Mitarbeiter so zu führen, dass sie motiviert und leistungsfähig bleiben. Mit charmantem Pragmatismus sorgt sie dafür, dass Führungskräfte und Mitarbeiter ihre Leistungskraft mit Leib und Seele einsetzen und auch unter Druck top performen.